Joachim Rumpf

Schreien, schlagen, zerstören

Mit aggressiven Kindern umgehen

(»Kinder sind Kinder«; 21)

1. Auflage 2002. 120 Seiten.

(978-3-497-01629-7) kt
€ [D] 12,90 / € [A] 13,30
(alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt.)

Kurztext

Wenn Kinder ungewohnt aggressiv handeln, fühlen sich die Eltern oft hilflos. Soll ich das Verhalten meines Kindes ignorieren? Wie soll ich vorgehen? Was wird morgen sein, wenn ich heute nachgebe? Muss ich immerzu konsequent sein? Und oft sind Eltern gut gemeinten Ratschlägen ausgesetzt. Auch solchen Ratschlägen, die vor körperlicher Gewalt nicht zurückschrecken. Nach dem Motto: Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet.
Der Umgang mit aggressivem Verhalten ist so vielschichtig wie das Phänomen selbst. In einer Situation kann Ignorieren angebracht sein, eine andere Situation erfordert Konsequenz, aber auch das Nachgeben kann angemessen sein. Rezepte helfen also nur bedingt. Viel wichtiger ist es, dass Eltern sich über Aggressionen, ihre Erscheinungsformen und Ursachen informieren. Dass sie sich Wissen aneignen, wie man in unterschiedlichen Situationen mit der Aggressivität eines Kindes umgehen kann und welche positiven Bedingungen im Umfeld des Kindes und der Familie geschaffen werden können.
Joachim Rumpf, der mehr als 10 Jahre Elternseminare geleitet und moderiert hat, klärt Eltern über diese Fragen auf und veranschaulicht anhand von zahlreichen Fallbeispielen, wie Eltern auch schwierige Situationen in der Familie meistern können.

Inhalt

Alle Kinder sind aggressiv: Es gibt unterschiedliche Aggressionen. Warum Kinder aggressiv werden. Modelle helfen uns, Ursachen aufzuspüren. Aggressivität kann eine Antwort sein. Aggressivität gab es schon immer und überall

Kinder und ihre Eltern haben es nicht immer leicht miteinander: "Nein" sagen und mit den Füßen stampfen. Jungen raufen, Mädchen sind lieb - wieviel Wahrheit steckt im alten Klischee? Geschwister streiten gern miteinander. Mit einem Einzelkind ist es nicht einfacher. Kinder müssen sich reiben dürfen. Kinder in "schlechter Gesellschaft"

"Gelobt sei, was hart macht" - Über die destruktive Aggression: "Warte nur bis Papa kommt" - Eltern und Gewalt. Sollen wir strafen oder Grenzen setzen? "Schaut euch diesen Versager an!" Schule kann Gewalt fördern. Werden durch die Bildschirmmedien destruktive Aggressionen verstärkt?

Was wir gegen Aggression und Gewalt tun können: Hilfen für Familien. Wie wir die Beziehungen zu anderen Menschen gestalten können

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Autoreninformation

Dr. Joachim Rumpf, Vater zweier Kinder. Von 1968 bis 1973 Lehrer an Grund- und Hauptschule in Lörrach. 1973 bis 2000 pädagogischer Leiter eines Kinderheims. Ehrenamtliche Tätigkeit im Kreisjugendhilfeausschuss und seit 1977 im Arbeitskreis Kooperation Kindergarten-Grundschule im Landkreis Waldshut. Von 1976 bis 1997 Lehrbeauftragter an der PH Freiburg im Studiengang Sozialpädagogik/-arbeit.

Leseprobe

Aggression und Gewalt bei Kindern sind ein lebhaft diskutiertes Thema in unserer Gesellschaft. So wurde ich kürzlich in einer S-Bahn zufällig Zeuge einer lautstark geführten Unterhaltung dreier Männer, die vom Alter her schon Großväter hätten sein können. Es ging um einen aktuellen Fall von Kindesmissbrauch und -tötung. Von den Tätern und deren Motiven kamen die Männer auf Gewalt und Drogenhandel an Schulen zu sprechen und verkündeten ihre Deutungen der Ursachen zunehmender Gewalt und Brutalität. Da hörte ich dann Äußerungen wie: „Das alles haben wir nur der laschen Erziehung zu verdanken...“; „Die Eltern trauen sich nicht mehr, bei ihren Kindern durchzugreifen...“; „Das ist alles nur eine Folge der Humanitätsduseleien nach dem Kriege und dann bei den 68ern...“

Die meisten von uns haben solche und ähnliche Argumentationen bereits gehört, und sicher nicht nur aus der Großvätergeneration. Stimmt denn das aber so? Abgesehen davon, dass keine sicheren Erkenntnisse darüber vorliegen, ob heute im Vergleich zu früheren Zeiten aggressive Verhaltensweisen und Gewalt im Kindes- und Jugendalter zugenommen haben, bleibt zu fragen, ob Eltern und Erzieher tatsächlich Gewalt mit Gegengewalt beantworten müssten? Haben wir es nicht vielmehr mit einem sehr vielschichtigen Problem zu tun, dem man nicht einfach mit einer bestimmten Strategie zu Leibe rücken darf? Hier zwei andere Erlebnisse aus dem Familienalltag, wie sie uns ständig begegnen können:

Die Mutter trägt die neun Monate alte Nora auf dem Arm. Das rosige Gesichtchen, vom Badetuch umrahmt, schaut über der Schulter der Mutter fröhlich auf den Vater und lacht, so dass die zwei ersten Zähnchen zu sehen sind. Auch der Vater strahlt sein Töchterchen an und schäkert mit ihr, während die Mutter das Kind trocken reibt. Plötzlich holt das Kind aus und schlägt dem Vater ins Gesicht. Das tut zwar nicht weh, aber es klatscht laut. Nora kreischt vor Vergnügen über das neu erfundene Spiel und holt von Neuem aus.

Florian war ein überwiegend ruhiges Kind, der es vermied, sich mit seinen Eltern anzulegen. Im Alter von zwölf Jahren kam es aber in dieser Familie immer öfter zu Misstönen, die stets von Florian ausgingen. Allein schon die anteilnehmende Frage: „Na, hast du heute länger gebraucht für die Hausaufgabe; du hattest wohl viel auf?“ beantwortete er mürrisch und mit aggressivem Unterton mit einer Gegenfrage: „Habt ihr was dagegen?“ Nun wussten die Eltern um die schwierige Phase vor dem Eintritt in die Pubertät, ließen sich auf keine Auseinandersetzung ein und die Gegenfrage so stehen. Nicht immer hatte diese Zurückhaltung Erfolg. Eines Tages setzte er noch eine flapsige Bemerkung hinzu. Ein Wort gab das andere und endlich verschwand er wütend in seinem Zimmer und schlug die Tür hinter sich so heftig zu, dass das Türschloss ausbrach.

In diesem Buch möchte ich das in seinen Erscheinungsbildern und unseren Reaktionsmöglichkeiten so differenzierte Problem von aggressiven und gewalttätigen Verhaltensweisen unserer Kinder betrachten. Die Kindheit endet mit dem Eintritt in die Pubertät. Einige Beispiele und Hinweise werden auch noch die Phase zwischen Kindheit und Pubertät berühren und 12- und 13-jährige Heranwachsende in die Darstellungen einbeziehen. Im vorliegenden Buch finden sich viele Verweise auf wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche Arbeiten, Erfahrungsberichte und Elternratgeber. Sie kommen fast alle zu vergleichbaren Erkenntnissen, wenn es um die Reduzierung oder Bearbeitung von Aggression und Gewalt bei Kindern geht. Dass Pädagogen und Psychologen bei allem, was sie für Kinder und ihre Familien als entwicklungsfördernd herausarbeiten, stets auch vom Wünschenswerten sprechen und schreiben, ist nicht überraschend. Ich bin der Überzeugung, dass der, der das Wünschbare nicht anstrebt, das für ihn Machbare nicht erreicht. Bitte denken Sie daran, wenn Sie der Meinung sind, dass Sie die hier empfohlenen Rahmenbedingungen für ihr Kind nicht schaffen oder die vorgeschlagenen Verhalte